Sinterklaas in Maastricht – die Tradition um Nikolaus in den Niederlanden

Wir waren gestern in Maastricht mit den Kindern, denn die Stadt erwartete hohen Besuch an der Anlegestelle der Maas: Sinterklaas und seine lustigen Helferlein, die ‚zwarte Pieten‘ sollten aus Spanien endlich in den Niederlanden ankommen, um die Weihnachtszeit einzuläuten. Klar dass wir da nicht fehlen durften. Warum ich die niederländische Tradition um den Nikolaus um einiges schöner finde, erzähle ich euch hier.

Die Tradition um Sinterklaas

Lotte ist nun 3 Jahre alt und sie begreift den Zauber um Weihnachten in diesem Jahr schon bedeutend mehr, als im Letzten. Da wir hier in den Niederlanden wohnen, leben wir natürlich auch einige Traditionen so, wie es die Niederländer auch tun. Eine davon ist die Geschichte um Sinterklaas.

Sinterklaas Maastricht 2017

Foto: Jean-Pierre Geusens via 1limburg.nl

In den Niederlanden kommt der heilige Bischof nämlich mit einem Schiff direkt aus Spanien, um in den kommenden zwei Wochen seine ‚Arbeit‘ zu verrichten. Auf dem Schiff hat er nicht nur sein weißes Pferd dabei, nein, auch all die Geschenke, Süßigkeiten und die goldene Liste hat er dabei. Auf dieser Liste stehen all die Namen der Kinder, die im letzten Jahr ’süß‘ waren. Und weil es in den Niederlanden so viele Kinder gibt, kommt Sinterklaas eben schon Mitte November an, damit er und seine Pieten genügend Zeit haben, die Stiefelchen der Kinder zu füllen.

Die Kinder setzen also ab dem Tag, an dem das Schiff von Sinterklaas angelegt hat und er ordentlich begrüßt wurde, jeden Abend ihren geputzten Stiefel vor die Tür. Und für das Pferd wird eine Möhre hinein gesteckt, um es anzulocken. Und jeden Morgen ist es unklar, ob der Mann mit dem roten Gewand schon da war – schließlich hat er eine Menge zu tun. Aber ab und an kommen die Pietjes bereits an dem Haus vorbei und stecken schon einmal ein paar Pfeffernüsse in den Schuh, um die Wartezeit zu überbrücken.

Am Abend des 5. Dezember feiert die Familie dann zusammen Pakjesavond – also den Geschenke-Abend. Hier bekommen die Kinder dann eine Kleinigkeit zum auspacken und in vielen Familien wird dieses Fest größer gefeiert, als Weihnachten selbst.

Kinderfreundliche Alternative zum Nikolaus

Die Tradition um Sinterklaas haben wir hier Zuhause gern übernommen, denn sie gefällt uns um einiges besser, als die um den Nikolaus. Hier gibt es keine bösen Kinder, die jemand mit einer Rute hauen will. Im Gegenteil, die zwarte Pieten sind wirklich total freundlich und spaßig drauf – also niemand, vor dem sich die Kinder fürchten müssten.

Lotte stellt nun also jeden Abend ihren Schuh vor die Tür, steckt eine Möhre hinein und rennt am nächsten Morgen zur Tür, um zu schauen, ob Sinterklaas bereits bei ihr war. Steckt die Möhre noch im Schuh, freut sich unsere Hundedame sehr ;) Und mit ein paar leckeren Pepernoten lässt sich die Wartezeit gut überbrücken.
Ich finde es einfach toll dass der Spannungsbogen so etwas erhalten wird und der Zauber dabei etwas anhält.

Nämlich genau bis zu dem Zeitpunkt, bis die Kinder etwas älter sind und so langsam Gefahr laufen, dem Ganzen auf die Spur zu kommen. Aber auch da haben sich die Niederländer etwas Tolles einfallen lassen: einen Erwachsenen-Vertrag. So gesehen eine Verschwiegenheitsklausel, die sie unterschreiben müssen. Wenn die Eltern entscheiden sie in das Erwachsenen-Geheimnis einzuweihen, weil die Kinder nun schon groß und fast Erwachsen sind ;) , verpflichten sie sich, den jüngeren Kindern nichts davon zu sagen und helfen den Eltern dabei die Pfeffernüsse in die Schuhe zu stecken. Die großen Kinder fühlen sich also furchtbar erwachsen und finden es gar nicht mehr so schlimm, dass die Magie etwas verflogen ist. So habe ich es zumindest von den Familien hier gehört.

Intocht in Maastricht – Sinterklaas kommt mit seinem Schiff an

Leider hatten wir gestern mal wieder ein schlechtes Zeitmanagement und kamen zu spät zur Einfahrt des Schiffes, weil wir natürlich keinen Parkplatz mehr so schnell gefunden haben. Kurz waren wir enttäuscht, und wollten dann einfach schon einmal direkt zum Rathaus laufen. Hier sollte Sinterklaas nämlich nach einer kleinen Spazierfahrt durch die Stadt ankommen und die Kinder begrüßen.

Als wir dann allerdings an den Rand der Altstadt kamen, sperrten die Polizisten gerade die Straße ab und schon hörten wir die Kapelle spielen. Hinter der Kapelle kamen dann die zwarte Pieten auf kleinen Fahrrädern und auch angelaufen und verteilten an die umherstehenden Kinder Süßigkeiten. Lotte saß natürlich auf den Schultern vom Papa und konnte so alles genau sehen.

Als dann die Kutsche mit den Geschenken als nächstes kam, wurden die Augen ganz groß. Allerdings war das Pferd eher dafür verantwortlich, als die Neugier, ob sich auf der Kutsche auch ihr Geschenk befinden würde^^

Auf der nächsten Kutsche saß dann Sinterklaas, der allen lieb zuwinkte und sich auf den Kurs durch die Stadt machte.

Wir schlossen uns an und liefen hinter dem Zug zum Rathaus. Hier waren wir froh, dass Oma und Opa dabei waren. Die bleiben nämlich auf dem Marktplatz mit den Kinderwagen stehen und wir stellten uns mit den Kindern in die Schlange, um ins Rathaus zu kommen.

Es ging relativ schnell (die meisten Familien kamen wohl erst etwas später) und einmal im wunderschönen Rathaus angekommen, konnten wir die Schlange auch direkt verlassen und uns das Geschehen von der Seite aus anschauen, denn Lotte wollte bei dem fremden Mann auf keinen Fall auf dem Schoß sitzen^^. Der war aber auch noch gar nicht da. Die Pieten machten nämlich gerade ordentlich Stimmung und sangen und tanzten. Es war wirklich schön und für so eine alte Tradition ganz schön hip^^.

Ein Kinderchor sang mit den Pieten und den anderen Kindern Lieder über Sinterklaas und irgendwann wurde der von allen ganz laut gerufen, damit er doch endlich kommen sollte. Lotte fand das alles furchtbar spannend und tanzte auf dem hübschen Marmorboden des Rathauses und begnügte sich damit.

Die Kinder in der Schlange durften Sinterklaas dann alle nach einander Hallo sagen, durften Fotos mit den Pieten machen und das war es dann auch schon wieder.

Danach lud die Stadt Maastricht natürlich noch zum schlemmen und bummeln ein. Der Tag hatte sich auf jeden Fall gelohnt und ich kann euch das Spektakel wirklich ans Herz legen. Die Kinder werden es sicher toll finden.

Kleiner Tipp für euch

Übrigens: Wenn Sinterklaas mit dem riesigen Schiff in den Hafen einläuft, gibt es hier ein riesiges Spektakel. Diese Haupt-Zeremonie findet jedes Jahr in einer anderen Hafen-Stadt statt – dieses Jahr im friesischen Dokkum. Die verschiedensten Fernsehsender berichten dann live, wie der Bischof empfangen wird. Viele Familien schauen sich das Fest also im fernsehen an. Mit Pepernoten und Chocomelk natürlich.
Trotzdem empfangen auch viele andere Städte den Mann mit dem Rauschebart in den kommenden zwei Wochen, so das jedes Kind auch die Chance hat ihn live zu sehen. Um sich dieses Event also mal live anzuschauen, muss man gar nicht immer zur großen Intocht fahren. Sie ist zwar pompöser, aber in Maastricht ist es zum Beispiel nicht weniger schön.

Wir werden nächstes Jahr sicher wieder dabei sein.

Groetjes,

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