#sagmal: Wie laufen Schwangerschaft und Entbindung in England ab?

In meiner Schwangerschaft habe ich via des Expatmamas-Netzwerks mit einigen Mamas über meine Ängste und Sorgen ausgetauscht, was das Gebären im Ausland betrifft. Einige von ihnen haben sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten. Heute schreibt Jonna, die Gründerin der Expatmamas, über ihre Erfahrungen in England.

Bild: Paige MorrisonIch heiße Jonna und bin Mama einer Tochter und eines Sohnes. Meine Tochter kam in Stuttgart zur Welt, mein Sohn 15 Monate später in Northampton/England. Insgesamt lebten wir vier Jahre auf der Insel, für uns alle eine sehr schöne Zeit und für die Kinder auch sehr prägende Jahre, über die ich nach unserer Rückkehr ein Buch geschrieben habe (Von Babys und Briten – Anekdoten einer Expat-Mama). Das neue Leben in England war aber auch nicht immer ganz leicht und manchmal hätte ich mir Austausch mit anderen Expat-Mamas gewünscht. So wurde 2014 die Idee für meine Website inkl. Blog geboren, quasi mein drittes Baby. Heute freue ich mich sehr, dass über den Blog, Facebook und Instagram 200 Mamas weltweit vernetzt sind und ihre Sorgen aber auch ihre tollen Erfahrungen miteinander teilen. Und die Community wächst täglich.

Ein Kind im Ausland zur Welt zu bringen ist sicherlich eine Herausforderung. Was hat dir damals die meiste Sorge bereitet und welche Vorkehrungen musstest du unbedingt treffen?

Ich wurde kurz nach unserer Ankunft in England zum zweiten Mal schwanger und im ersten Moment hat mir eigentlich alles Sorgen bereitet. Ich kannte mich kaum aus; das Gesundheitssystem war mir ein Buch mit sieben Siegeln und außerdem hallte mir die Warnung der deutschen Ärzte noch in den Ohren, nach der dramatischen Kaiserschnitt-Entbindung mit dem zweiten Kind mindestens ein Jahr zu warten. Die Voraussetzungen waren also nicht ideal.

Als erstes suchten wir uns eine Nanny, denn wir kannten ja niemanden, den wir mal um Unterstützung hätten bitten können. Außerdem wollte ich, dass meine Tochter schon früh eine Beziehung zu einer weiteren Bezugsperson aufbauen konnte, damit wir sie am Tag x der Entbindung in guten Händen wussten. Dann haben wir uns um die Betreuung bei einem Frauenarzt bemüht. In England, zumal auf dem Land – keine leichte Sache – denn die reguläre Vorsorge übernimmt eine Hebamme (Midwife) im lokalen Gesundheitszentrum (Surgery). Einen Frauenarzt sieht man nur für Ultraschall-Untersuchungen an der Klinik (und es wird weit weniger geschallt als bei uns, CTG gibt es in der Vorsorge so gut wie gar nicht).

Da ich als Expat privat zusatzversichert war und eine Vorgeschichte hatte, konnte ich mich vom Hausarzt in der Surgery an einen privat praktizierenden Frauenarzt überweisen lassen, der auch die Entbindung im Krankenhaus übernehmen würde.

Schwangerschaft und Entbindung in England

Die nächste Entscheidung, die wir treffen mussten, ob wir eine natürliche Geburt wollten oder einen erneuten Kaiserschnitt, wurde uns abgenommen. In den letzten Schwangerschaftswochen arbeitete die Plazenta nicht mehr 100% und so kam mein Sohn etwas früher auf die Welt. Mit der Aussicht auf eine weitere Kaiserschnitt-Entbindung wurde es aber nötig, für die ersten Wochen danach dauerhaft Hilfe zu haben, weil ich meine kleine Tochter weder heben noch tragen durfte (sie konnte damals gerade erste Schritte laufen). Also flog meine Mutter für vier Wochen ein, weil mein Mann zwar etwas Urlaub aber in England keine Elternzeit nehmen konnte.

Kinder kriegen im Ausland – was war anders als in Deutschland und wie hast du es erlebt?

Neben den Unterschieden in der Vorsorge gab es auch keine Geburtsvorbereitungskurse wie bei uns. Zur Entbindung hatte man die Wahl zwischen dem Krankenhaus in Stadt A oder B (beide ca. 30 min entfernt) oder Hausgeburt (was für mich nicht in Frage kam). Die Kreißsäle waren schlicht – eher kahle Zimmer mit Bett und Stuhl, eng und ohne irgendwelchen Schnickschnack. Seile, Bälle, Hocker? Fehlanzeige. Auf der Station waren Einzelzimmer rar, die Regel eher 4-Bett-Zimmer. Die Betten konnte man nur manuell am Kopfende verstellen, mit einem frischen Bauchschnitt kann man das vergessen. Ich schlief also vier Nächte halb sitzend, damit ich überhaupt raus kam.

Alles, was man für das Baby braucht, muss man mitbringen. Es gab keinen Wickeltisch (blieb also nur das Bett), geschweige denn eine Wärmelampe; das Babybettchen war eine bessere Plastikwanne auf Rädern ohne Betthimmel oder Decke (von meinem Arzt trocken „fish tank“ genannt). Alles sehr schlicht – da schien mir das Krankenhaus in Deutschland mit Geburtsinseln im Kreißsaal und Familienzimmern auf der Station mit allem Drum und Dran fürs Baby wie ein Sternehotel.

Schwangerschaft und Entbindung in England

Medizinisch war die Versorgung prima – ohne Frage – aber mit der Betreuung des Neugeborenen ist man in der Klinik sehr sich selbst überlassen. Ich war froh, als ich entlassen wurde und ich daheim endlich nicht mehr allein war.
Nach der Entlassung gab es noch regelmäßige Besuche durch Hebammen – es waren tatsächlich mehrere, denn sie werden von der Surgery geschickt und man kann sie sich nicht aussuchen. Anschließend kommt noch der sog. Health visitor vorbei, eine Art Familienschwester, um nach der weiteren Entwicklung des Kindes, aber auch nach der Mutter zu schauen und sich ein Bild von den sozialen Verhältnissen und Lebensumständen zu machen. Das finde ich sehr gut. Sie prüfen z.B. auch, ob Maßnahmen gegen den plötzlichen Kindstod getroffen sind, ob es Rauchmelder in den Schlafzimmern gibt und später ob z.B. Treppen und Gartenteiche gesichert sind. Health visitor führen auch die Vorsorge-Untersuchungen der Kinder an der Surgery durch. Im Idealfall begleiten sie also Kinder und Familie durch die Kleinkindjahre.

Liebe Jonna, vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast und vielen Dank, dass du uns Expat-Mamas miteinander vernetzt.

Schwangerschaft und Entbindung in England

Ihr solltet euch die Seite von Jonna unbedingt mal anschauen. Dort warten viele nützliche Infos und spannende Geschichten rund um das Thema: Leben im Ausland. Jonna hat auch ein Buch über ihre Erfahrungen als Expat in England geschrieben, das könnt ihr zB hier bestellen.

In der nächsten Woche lest ihr etwas von Tina über ihre Erfahrungen in den USA.

Groetjes,

Schwangerschaft und Entbindung in England

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1 Kommentare

  1. Liebe Sarsh und liebe Jonna,
    danke für den Bericht- ich liebe Geburtsberichte ;-)
    und schwelge jetzt in Erinnerungen an Lilli’s Geburt vor 10 Jahren in Frankreich… auch eine sehr spannende Zeit!
    Habt ein schönes Wochenende!
    LG, Yvette

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