#sagmal: Wie laufen die Schwangerschaft und Geburt in Sardinien ab?

Als ich wusste dass ich schwanger bin habe ich mich natürlich informiert, wie die Schwangerschaft in den Niederlanden betreut wird und ob es bei der Entbindung Unterschiede zu Deutschland gibt. Ich musste dann für mich feststellen, dass ich doch lieber in Deutschland weiterhin von meinem Frauenarzt betreut werden und im deutschen Krankenhaus entbinden möchte (darüber werde ich euch am Ende der Serie erzählen). Und so fragte ich mich: Wie machen das eigentlich die anderen Expat-Mamas? Wie wird die Schwangerschaft und die Entbindung in anderen Ländern betreut? Aus diesem Grund erzählen nun wöchentlich einige Mamas von ihren interessanten Erfahrungen. Den Anfang macht diese Woche Christine vom Blog inseltraumleben.de

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Ich bin Christine und habe einen inzwischen 5-jährigen Sohn, der hier auf Sardinien zur Welt kam. Wir leben an der Ostküste der Insel auf dem Land, nur zwei Kilometer vom Meer entfernt. Dort wohnen wir in einem kleinen Haus mit großem Garten und unseren Tieren. Früher in Deutschland war ich als PR-Texterin in einer Agentur angestellt. Seit mein Sohn in den Kindergarten geht, arbeite ich wieder auf freiberuflicher Basis. Gerade bin ich dabei, einen Reiseführer-Blog über unsere Gegend hier – das Outdoor-Paradies Ogliastra – aufzubauen.

 

Ein Kind im Ausland zur Welt zu bringen ist sicherlich eine Herausforderung. Was hat dir damals die meiste Sorge bereitet und welche Vorkehrungen musstest du unbedingt treffen?

Meine erste große Sorge war, dass im Ausland alles rund um Schwangerschaftsbetreuung und Geburt „anders“ sein könnte. Irgendwie verband ich damit sofort das Gefühl „schlechter“. Das lag sicher daran, dass einem das Gewohnte zunächst einmal Sicherheit und Verlässlichkeit vermittelt. Da ich allerdings kein Untersuchungs-Hopping veranstalten wollte und weder Schwangerschaft noch Geburt ohne meinen Partner erleben wollte, war meine erste Vorkehrung, mir hier auf Sardinien eine gute, gynäkologische Betreuung zu suchen. Eine Person, zu der ich Vertrauen haben kann und die mich hier, durch das doch etwas andere System der Geburtsvorbereitung, begleiten würde. Ich hatte Glück und fand sofort den richtigen Arzt. Danach war alles kein Thema mehr.

Schwangerschaft_und_Entbindung_Sardinien

Christines Sohn genießt die Ausflüge immer sehr

Meine zweite Sorge war die, dass ich mit allen Fragen während der Schwangerschaft und später auch mit dem Säugling alleine dastehen würde. Es gibt hier bei uns in der Ecke keine Kurse, Gruppen von Gleichgesinnten und auch keine Hebammenbetreuung wie das in Deutschland üblich ist. Und meine Familie war einfach zu weit weg, um vor Ort behilflich sein zu können. Hier hatte ich nur die Möglichkeit, Ruhe zu bewahren, mich nicht verrückt zu machen und mir telefonisch Unterstützung von vertrauten Personen zu holen.

Kinder kriegen im Ausland – was war anders als in Deutschland und wie hast du es erlebt?

Anders war gleich zu Beginn der Schwangerschaft, dass hier keinerlei Aufhebens darum gemacht wurde, dass ich mit 42 Jahren eine Spätgebährende war, die zudem ihr erstes Kind erwartete. In Deutschland hatte meine Frauenärztin sofort mit ziemlich sorgenvoller Miene eine Risikoschwangerschaft diagnostiziert (Panik!) und mir einen absolut notwendigen zweiwöchigen Untersuchungsintervall angekündigt. Mein Arzt hier wollte davon nichts wissen und hat mich betreut wie jede andere Schwangere auch. Das hat mich in meiner Situation ungemein beruhigt und mir große Sicherheit gegeben.

Schwangerschaft_und_Entbindung_Sardinien

mit Papa ein Baumhaus bauen

Grundsätzlich war hier anders, dass gar nicht so ein großer Hype rund ums Schwangersein aufkommt. Alle freuen sich riesig, überall wird man angesprochen und beglückwünscht – ein  großes gemeinsames Freuen.
Aber ansonsten bekommt man einfach ein Kind – und fertig!
Auch wenn das Kind da ist: Große Freude überall, aber der Alltag geht weiter – jetzt eben mit Kind – und kein Mensch denkt hier an Babyschwimmen und Pekip-Gruppen und was es sonst noch alles gibt. Manchmal hat mir das gefehlt, aber eigentlich war ich ganz dankbar darum, diesem Rummel nicht hinterher laufen zu müssen. Die Kinder haben hier so viel natürliche Umgebung, in der sie ihre Entwicklung durchlaufen können. Das war mir tausendmal lieber so.

Strand_Lotzorai_Sardinien

Was ebenfalls anders war und mir in diesem Fall sehr gefehlt hat, war die nicht vorhandene Hebammenbetreuung. Vor allem nach der Geburt habe ich das sehr, sehr vermisst. Ich hätte mir wirklich eine erfahrene Hebamme mit „modernen“ Ansichten oder fortschrittlichem Wissensstand an meiner Seite gewünscht, die ich bei Unsicherheit hätte anrufen können (immerhin war das ja mein erstes Kind) und die hin und wieder bei mir Zuhause vorbei geschaut hätte und mir ganz einfache Tipps hätte geben können. Ich hatte ja überhaupt keine Ahnung und keinerlei Erfahrung. Und meine Mutter war eben auch so weit weg. Das war wirklich manchmal hart für mich in der ersten Zeit.

Und dann unterschied sich natürlich auch das gesamte Themenfeld „Ernährung“ sehr von dem, was in Deutschland so üblich ist. Glücklicherweise konnte ich stillen und war somit zunächst mal aus dem Schneider. Aber dann ging es los mit dem Abstillen und Beifüttern. Das wird hier ganz anders gemacht und ich habe mich komplett auf meine Literatur gestützt und mich von jeglichen Diskussionen und gut gemeinten Ratschlägen fern gehalten. Ich wollte mein Kind zumindest im ersten Jahr salzlos und ohne Zucker ernähren. Was mir auch gelungen ist. Aber das war hier zuweilen ein richtiger Kampf, der nicht selten sogar im Streit mit der Verwandtschaft geendet hat, die das nicht einsehen und respektieren wollte.

Domus de Janas_Lotzorai_Sardinien

bei einem Spaziergang bei den Domus de Janas von Lotzorai bzw. in einem der Feenhäuser, wo man im Sommer herrlich schattig und für Kinder „abenteuerlich“ Picknick machen kann.

Liebe Christine, vielen Dank, dass du uns einen kleinen Einblick gegeben hast und deine Erfahrungen mit uns teilst. Solltet ihr noch weitere Fragen haben, könnt ihr euch gern bei Christine melden. Und wenn euch das Leben in Sardinien interessiert und ihr wertvolle Reisetipps benötigt, schaut unbedingt auf dem Blog Inseltraum leben vorbei.

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Christine und ihr Sohn genießen das Leben auf Sardinien

Und wenn ihr euch für das Leben im Ausland als Familie interessiert, dann schaut unbedingt mal bei den Expat-Mamas vorbei. Die liebe Jonna hat mit viel Herzblut ein funktionierendes Netzwerk für Mamas im Ausland organisiert. Hier kann man sich nicht nur austauschen, sondern bekommt auch immer hilfreiche Tipps für das Leben als Familie im Ausland.

Nächsten Mittwoch geht es weiter in der Serie #sagmal und dann berichtet Susanne von ihren Erfahrungen zu Schwangerschaft und Geburt in Spanien.

Groetjes aus dem Wochenbett,

 

Schwangerschaft und Entbindung in Sardinien - Leben als Expat

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