#sagmal: Wie läuft die Schwangerschaft und Entbindung eigentlich in den USA ab?

In den vergangenen Wochen haben einige Mütter hier an dieser Stelle über ihre Schwangerschaften und Geburten im Ausland berichtet. Ich finde es immer noch sehr spannend zu lesen, welche Unterschiede bestehen und wie die Gesundheitssysteme in den verschiedenen Ländern funktionieren. Heute schauen wir mal über den großen Teich, denn Tina erzählt uns von ihrer Schwangerschaft und der Geburt ihres Sohnes in den USA.

Ich heiße Tina und bin Mutter von zwei Kindern. Meine Tochter ist 7 Jahre alt und in Deutschland geboren. Mein Sohn, jetzt 4 Jahre alt, ist in Chattanooga, Tennessee zur Welt gekommen und ist somit ein waschechter Amerikaner. Den „American Way of Life“ durften wir als Expat-Familie fünf intensive und sehr prägende Jahre lang genießen. Seit einem halben Jahr ist unser Zuhause nun wieder in Deutschland. Mehr über unser Expat-Leben und das Wiedereinleben in Deutschland kannst Du auf meinem Blog lesen.

Ein Kind im Ausland zur Welt zu bringen ist sicherlich eine Herausforderung. Was hat dir damals die meiste Sorge bereitet und welche Vorkehrungen musstest du unbedingt treffen?

Meine größte Sorge galt damals der zukünftigen großen Schwester, die zum Zeitpunkt der Geburt knapp 3 Jahre alt war. Wer wird sich um sie kümmern, wenn es losgeht? Die Ankunft der Großeltern aus Deutschland war für eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin geplant. Aber es kam, wie es kommen musste – der kleine Mann erblickte drei Wochen zu früh das Licht der Welt. Ohne Großeltern blieb uns nicht anderes übrig, als eine gute Freundin mitten in der Nacht aus dem Bett zu klingeln. Zum Glück hatten wir vorher schon locker über dieses Szenario gesprochen – mit der Freundin aber auch mit unserer Tochter.

Außerdem habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wer die Rolle einer deutschen Hebamme übernehmen könnte, vor allem bei der Nachsorge zu Hause. In Tennessee gibt es zwar Hebammen, die midwives, die aber in Zusammenarbeit mit den Ärzten eine klassische medizinische Betreuung anbieten.
Eine Freundin hat mir eine
Doula, eine Geburtsbegleiterin, empfohlen, die mich während der Geburt unterstützt hat. Als die Wehen regelmäßiger und intensiver wurden, kam sie erst einmal zu mir nach Hause und hat mich dort mit ätherischen Ölen, schmerzlindernden Übungen und beruhigenden Worten unterstützt. Allerdings hat meine Doula keine umfassende Nachsorge, wie ich das von meinem ersten Kind aus Deutschland kenne, angeboten. Bei Still-, Schlaf- oder Zahnungsproblemen war ich, vor allem bezüglich alternativer Heilmethoden, ganz auf mich allein gestellt. Da war ich doch sehr froh, dass ich etwas Erfahrung – und Gelassenheit – durch mein erstes Kind hatte.

Das kann ich mir gut vorstellen. Aber sag mal: Kinder kriegen im Ausland – was war anders als in Deutschland und wie hast du es erlebt?

Ich hatte hier die Wahl, mich von einem Arzt (OB/GYN) oder einer Hebamme (midwife) betreuen zu lassen. Beide arbeiten in der Regel gemeinsam in einer Praxis und betreuen Dich vor, während und nach der Geburt.

Einen Kreißsaal, wie man ihn aus Deutschland kennt, gab es in meinem Krankenhaus nicht. Alle Zimmer sind medizinisch so ausgestattet, dass das Kind dort auf natürlichem Weg zur Welt kommen kann. Mutter und Kind verlassen dieses Zimmer tatsächlich erst am Tag der Entlassung.

Die Geburt eines Kindes ist in Tennessee ein Ereignis, bei dem die ganze Familie nicht nur mitfiebert, sondern auch direkt anwesend ist. Während der Geburt werden viele Mütter nicht nur vom Vater des Kindes, sondern auch von weiblichen Familienmitgliedern und Freundinnen begleitet.

Eine Hebamme, die Mutter und Kind nach der Geburt zuhause betreut, gab es in Chattanooga nicht. Zur regelmäßigen Kontrolle oder bei Problemen mussten wir tatsächlich jedes Mal den Kinderarzt in seiner Praxis aufsuchen. Mit einem Neugeborenen fährt man dann tatsächlich nur im äußersten Notfall in die von Viren verseuchte Praxis.
Und alternative Heilmethoden, wie zum Beispiel die Verwendung von homöopathischen Mitteln, werden leider auch nicht praktiziert. Ich kann mich zum Beispiel noch sehr gut an den angewiderten Gesichtsausdruck unserer Kinderärztin erinnern, als ich ihr die heilende Wirkung von Muttermilch bei Schnupfen oder wundem Po erklären wollte.

Auch das Thema „Rückbildung“ wird von den Ärzten nicht weiter thematisiert, zumindest so lange es keine medizinischen Probleme gibt. Entsprechende Kurse werden nicht angeboten. Es ist also viel Eigeninitiative gefragt.

Alles in allem habe ich die Geburt meines Sohnes in den USA als sehr positiv empfunden und habe mich immer gut betreut gefühlt. Allerdings war ich sehr froh, dass ich mein erstes Kind nicht im Ausland, sondern in Deutschland bekommen habe. So konnte ich erste Erfahrungen sammeln und vom Wissen und der Herangehensweise deutscher Hebammen profitieren.

Liebe Tina, vielen Dank dass du deine Erfahrungen  mit uns teilst. Ich fand es sehr interessant.

Wenn ihr mehr über Tina, ihrem Leben in den Staaten und dem Expat-Leben erfahren möchtet, schaut unbedingt bei ihr vorbei. Nehmt euch aber bitte Zeit – ich bin lange auf ihrer Seite eingetaucht und musste unbedingt immer weiter lesen ;)

Expat_Mama_Schwangerschaft_Geburt_in_USA

Vorerst ist die Serie damit abgeschlossen, ich freue mich aber immer, wenn ihr mir über eure Erfahrungen berichten möchtet und greife das Thema dann gern wieder auf. Vielen Dank auch noch einmal an Jonna, die das Netzwerk der Expat-Mamas mit so viel Leidenschaft aufgebaut hat.
Ich werde euch jedoch noch einen Artikel verfassen über das Kinderkriegen in den Niederlanden und warum ich mich dagegen entschieden habe, meine zweite Tochter hier zu bekommen.

Groetjes,

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