Outtakes: Ich werde eine andere Mama sein

Mutter-Kind Liebe

In den letzten Tagen schaue ich dich oft an. So aus der Ferne, wenn du dich gerade unbeobachtet fühlst. Wenn du tief versunken bist in deiner Traumwelt und du vor lauter Luftschlösser bauen, nichts um dich herum wahrnimmst.

Und dann sprichst du mit deinen Spielfiguren, kreierst Sätze, von denen mir schwindelig wird und ich staune. Ich staune, weil du wieder so einen enormen Sprung gemacht hast.

Du läufst selbstsicher die steile Treppe nach oben in die erste Etage. Du ziehst dir die Jacke und die Schuhe ganz von allein aus. Du bringst deinen Müll in den Abfall, ohne dass ich dich drum bitten muss. Du balancierst wie eine Akrobatin die Erbsen auf der Gabel in deinen Mund. Du erfasst Zusammenhänge und sagst mir genau was du willst. Ja, manchmal habe ich das Gefühl mit einem großen Mädchen zu sprechen.

Du wirst immer selbstständiger und mir wird so manches Mal ganz komisch ums Herz, wenn ich daran denke, dass du mich irgendwann weniger brauchst, als du es jetzt tust.

Dass es dir in ein paar Jahren zu viel sein wird, wenn ich dich nach der Schule frage, wie dein Tag war. Dass du dann lieber Zeit mit deinen Freunden, als mit mir verbringst. Dass du das Gefühl haben wirst, dass die erste Liebe zu einem unverwandten Menschen größer ist, als die Liebe zwischen uns. Und dass es dir vielleicht irgendwann reichen wird, deine Mama zwischendurch einmal anzurufen, anstatt dass wir uns täglich sehen.

Das Mama-Dasein verändert sich im Laufe des Lebens.

Aber weißt du was? Es kommen auch noch Zeiten, in denen du Heimweh haben wirst. In denen du dich über meine bloße Anwesenheit freust, oder du es kaum abwarten kannst mir von einer freudigen Nachricht zu erzählen.

Es werden Zeiten kommen, da wird dir mein Lächeln Mut machen. Meine Meinung und mein Rat werden dir wichtiger als alles andere sein. Du wirst mich anrufen, nur um meine Stimme zu hören und du wirst bei einer festen Umarmung ganz tief meinen Duft einatmen und es wird sich nach Zuhause anfühlen.

Woher ich mir da so sicher bin?

Weil auch ich eine Mama habe.
Eine Mama, die wahrscheinlich mit den Tränen kämpfte, als ich das erste Mal den Weg ganz allein zum Kindergarten gemacht habe. Die es wohl traurig gemacht hat, wenn ich nach der Schule mit einem flüchtigen „Hallo“ direkt in mein Zimmer ging.
Die mich morgens um 5 an schrie, weil sie krank war vor Sorge, weil ich einfach nicht nach Hause gekommen war.
Die mit gelitten hat, bei jeder Krankheit und jedem Herzschmerz, als wäre das ein Teil von ihr selbst.

Eine Mama der es vermutlich schwer fiel, mich mit 19 ausziehen zu lassen. Und dabei trotzdem nie ihre Zuversicht verloren hat. Die immer wieder hunderte Kilometer fährt, nur um Zeit mit mir zu verbringen.

Eine Mama, die ihrer 31 Jahre alten Tochter das Haus putzt, umräumt und organisiert, weil sie schwanger und unbeweglich ist. Eine Mama der es heute immer noch wichtiger als alles andere ist, dass ihre Tochter zufrieden und glücklich ist.

Ja, das Mama-Dasein verändert sich im Laufe des Lebens.

Aber ein Kind wird seine Mama immer brauchen. Sie wird nur anders gebraucht.

Liebe Lotti, vielleicht brauchst du mich heute nicht mehr, um dir die Schuhe auszuziehen und vielleicht morgen schon nicht mehr zum Einschlafen. Übermorgen nicht mehr als Vorbild oder Ratgeberin. Und irgendwann nicht mehr für finanzielle Sorgen.

Aber du wirst mich wohl immer als Stütze und Anker brauchen und als Erinnerung, wie Zuhause riechen kann.

Ich weiß das, denn ich habe auch eine Mama.

Mutter-Kind Liebe

Liebe Mama, danke für alles. Für alles, was du immer wieder für mich tust, ohne zu hinterfragen oder zu klagen. Und auch wenn du dich vielleicht so manches Mal außenvor fühlst, trage ich dich doch immer noch ganz tief in mir drin.

Ähnliche Artikel

3 Kommentare

  1. stylemomde

    Oh ja, vor den nächtlichen Eskapaden graut es mir ja auch schon… Inzwischen verstehe ich auch, was meine Mutter da damals durchgemacht hat. Also wirklich nur meine Mutter. Mein Vater hat immer ziemlich cool getan. Ich sollte ihn mal fragen, ob er wirklich immer so cool war… Liebe Grüße, Christiane

  2. So nun beginne ich den Tag noch weinen – weinend vor Rührung… hach das ist ja so ergreifend. Ich bete darum das die Motte und ich später auch so ein Verhältnis haben werden. Eines welches ich nicht kenne. Aber das ist ok, denn ich hab ja die Chance es mir ihr kennen zu lernen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.