Mit beiden Beinen in drei Ländern – Interview mit Bloggerin Ann-Kathrin

An einem Tag echte belgische Pralinen essen, den Kaiserdom besichtigen und den höchsten Punkt in den Niederlanden besuchen? Da hat sich jemand zu viel vorgenommen? 
Nicht, wenn man seinen Tag am Dreiländer-Eck verbringt. 

Interview Ann Kathrin Munchkins Happy Place

Meine nächste Blog-Besucherin ist ein echtes Kind des Dreiländer-Ecks: Sie ist in Belgien aufgewachsen, arbeitet in Deutschland und shoppt und urlaubt in den Niederlanden.
Wenn jemand also die Vorzüge des Grenzland-Lebens kennt, dann ist es Ann-Kathrin (27) vom Blog Munchkins Happy Place

Hallo Ann-Kathrin. Ich freue mich sehr, dass du uns einen kleinen Einblick in das Leben am Dreiländer-Eck geben möchtest.

Erzähl doch mal, wie wohnst du und mit wem?

Ich wohne mit meinem Partner, unserer Tochter Emma Lilia und unseren beiden Maine Coon-Katzen in einer Maisonette-Wohnung in einem Mehr-Parteien-Haus.

Seit wann wohnst du in Belgien und hast du dort schon immer gewohnt?

Die ersten 19 Jahre meines Lebens habe ich in Kelmis, Belgien gewohnt. Nach einem kurzen Abstecher nach Münster zog es mich schnell wieder in die alte Heimat, genauer gesagt nach Aachen.
Vor 1,5 Jahren bin ich dann gemeinsam mit meinem Freund wieder nach Kelmis gezogen.

Da bist du aber wirklich schon gut rumgekommen! Wie empfindest du das Leben zwischen den Grenzen NL/D? Meinst du, dass die naheliegenden Grenzen Einfluss auf das Leben im Dreiländer-Eck haben?

In meiner Kindheit waren die Grenzen wesentlich deutlicher spürbar als heute. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich wahnsinnig stolz auf meine 3 Portemonnaies mit 3 unterschiedlichen Währungen war. Als Kind habe ich es geliebt im Dreiländereck zu leben. Ich fand es aufregend innerhalb von 30 Minuten in 3 verschiedenen Ländern sein zu können.

Auch heute genieße ich es, je nachdem welches Bedürfnis ich gerade habe, von einem Land zum nächsten zu fahren – jetzt natürlich nur noch mit einem Portemonnaie. Vor allem seit der Einführung des Euros ist der Übergang zwischen den Grenzen eher fließend geworden.

Den größten Einfluss der naheliegenden Grenzen spüre ich im Bereich der Sprache. Auch wenn jedes Land seine eigene Sprache hat, so werden doch auch oft Wörter oder Aussagen aus den jeweils anderen Ländern übernommen oder leicht abgewandelt. In Kelmis nennt man diesen „Mischmasch“ aus Deutsch, Niederländisch & Französisch kurz und knapp „Kelmiser Platt“. Richtig aufgefallen ist mir dies während meiner Zeit in Münster. Dort bin ich mit meinem Dialekt richtig aufgefallen, und manche Wörter musste ich erstmal erklären, damit man mich verstehen konnte.

Auch auf das Tank- und Einkaufverhalten haben die naheliegenden Grenzen einen Einfluss. Während ich günstig Tanken eher mit den Niederlanden verbinde, so haben weiter entfernt wohnende Verwandte bei jedem Besuch in Belgien ihren Kaffee-Vorrat aufgefrischt.

Einer der Gründe, die uns bewogen haben nach Belgien zu ziehen und aus dem es auch viele in die Niederlande zieht, sind die Miet- und Kaufpreise. In den letzten Jahren haben sich die Preise zwar ein wenig an den deutschen Markt angepasst, oftmals sind sie aber immer noch günstiger. Gerade hier im Grenzgebiet machen es viele so wie wir: wohnen in Belgien oder Holland, arbeiten in Deutschland.

Ja, die Mieten hier in den Niederlanden und Belgien sind wirklich deutlich günstiger als in Aachen. Dass du einen Dialekt hast, finde ich interessant. Weil du so gut Deutsch schreibst, wäre ich gar nicht drauf gekommen.
Magst du uns verraten, welche Beziehung du zu den Niederlanden hast?

Zu meinen liebsten Kindheitserinnerungen gehören unsere Familienurlaube. Viele Jahre lang haben wir einen Teil der Sommerferien in Holland verbracht.
In Nieuw-Haamstede hatten meine Eltern für unseren ersten Urlaub ein gemütliches kleines Ferienhaus gemietet und es hat uns dort so gut gefallen, dass wir auch in den darauffolgenden Jahren immer wieder dorthin gefahren sind. Auch mich, meinen Partner und Emma hat es vor wenigen Monaten, für unseren ersten richtigen Familienurlaub, nach Holland verschlagen.

Urlaub am Strand Interview Ann Kathrin

Wir fahren aber auch oft zum Einkaufen nach Vaals oder Kerkrade. Vor allem, wenn wir sonntags merken, dass uns irgendwas zum Kochen fehlt, ist es praktisch, dass die Geschäfte in den Niederlanden geöffnet haben.

Gerne verbringen wir auch Zeit in Maastricht. Und wenn wir auf der Suche nach Schnäppchen sind, steuern wir als erstes das Outlet Center in Roermond an.

Hast du Bekannte, Freunde oder Familie, die in den Niederlanden wohnen? 

Einige weiterentfernte Verwandte von uns leben in Alblasserdam bzw. sind dort aufgewachsen. Auch viele meiner ehemaligen Mitschüler sind nach Holland gezogen um dort zu studieren.

Während viele Niederländer deutsch sprechen, gibt es jedoch nur wenige Deutsche, die niederländisch sprechen. Bist du eine Ausnahme?

Leider spreche ich kein Niederländisch und verstehe auch nur einige geläufige Wörter und Sätze. In Belgien, wo ich zur Schule gegangen bin, lag der Fokus auf Französisch. Selbst Englisch-Unterricht gab es erst ab der 8. Klasse.
Im späteren Verlauf hätte ich meinen Fokus zwar auf den Fremdsprachenbereich legen können, habe mich jedoch für sozialen Zweig entschieden.
Während meiner Fachhochschulreife, welche ich in Deutschland absolviert habe, wurde dann erneut Niederländisch-Unterricht als Zusatzfach angeboten, an welchem ich auch teilnahm. Wegen mangelnder Teilnehmer fand der Kurs jedoch nur 6 Monate lang statt und viel hängengeblieben ist bei mir leider nicht.

Was magst du an den Niederlanden besonders gern?

Ganz eindeutig, die Menschen. Ganz egal, wo ich mich in Holland aufgehalten habe, ich wurde jederzeit freundlich behandelt. Die Niederländer strahlen eine gewisse Ruhe und Gelassenheit aus und haben meist ein Lächeln im Gesicht. Das Miteinander wirkt generell sehr entspannt und ich habe oft das Gefühl, dass dort alles ein bisschen langsamer abläuft.

Maastricht Interview Ann Kathrin

Was meinst du, ist der größte Unterschied zwischen den Niederlanden und Deutschland? 

Die Art des Lebens scheint eine andere zu sein. Wie schon bei der letzten Frage erwähnt, gehen die Menschen in den Niederlanden ganz anders miteinander um, zumindest in Situationen, die ich miterlebe.
Ich habe oft den Eindruck gewinnen können, dass es, während in Deutschland Dinge eher zackig schnell erledigt werden und man sich stark auf sich selbst konzentriert, in Holland alles ein wenig langlebiger abläuft.
Der Umgang untereinander ist viel offener als in Deutschland.

Und das Radfahren darf man nicht vergessen. So viele Radfahrer habe ich in Deutschland lediglich in Münster erlebt. Allgemein scheinen die Niederländer einen gesünderen Lebensstil zu haben als die Deutschen.

Oh ja, Münster ist fahrradtechnisch wirklich fast ein „kleines Holland“. Und jetzt verrate uns doch mal: Wenn du in den Niederlanden bist, wohin gehst du auf jeden Fall mindestens einmal?

Da wir oft zum Einkaufen in den Niederlanden sind, sind unsere häufigsten Ziele wohl „Albert Heijn“, „Jumbo“ oder „Naanhof“. Einen kurzen Stopp, der dann meistens länger als geplant ausfällt, legen wir auch jedes Mal bei „Hema“ ein.

Urban, ländlich, große Städte mit urigem Stadtkern – Die Niederlande ist sehr vielseitig. Welches ist deine liebste Stadt in den Niederlanden? Was ist dort so besonders?

Interview Ann Kathrin Strand

Holland hat unglaublich viele schöne Ecken und Städte.
Eine der schönsten Städte ist für mich wohl Den Haag. Auch wenn die Stadt mit ihren mehr als 500.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in den Niederlanden ist, strahlt sie so viel Ruhe aus und ist so sauber, dass sie an manchen Ecken fast das Gefühl aufkommen lässt, man wäre in einem kleinen, idyllischen Örtchen.
Natürlich gibt es dort auch die typischen Anziehungspunkte für Touristen, wie z.B. der Pier in Scheveningen. Doch richtig spannend wird die Stadt erst, wenn man sich auch abseits der Touristenattraktionen aufhält.

Pack doch mal deinen Geheimtipp aus: Was müssen wir deiner Meinung nach in den Niederlanden unbedingt mal probieren? 

Wenn man mich fragen würde, wonach unsere Familienurlaube in den Niederlanden geschmeckt haben, dann würde ich wohl Kaneel Ice, also Zimt Eis, sagen.

Auf dem Wochenmarkt haben wir uns zudem jedes Jahr Zoethout (Süßholzwurzeln) gekauft und dann einfach so gekaut.

Hast du einen Shopping-Tipp für uns in den Niederlanden? 

Wer auf der Suche nach Kinderkleidung ist, sollte mal bei „Name it“ vorbeischauen.
Dekoartikel und Kreativmaterial findet man günstig bei „Xenos“ und „Action“.

Und wer, wie ich, glutenfreie Nahrungsmittel oder ähnliches kaufen möchte, ist bei „De Tuinen“ gut aufgehoben. Das beste glutenfreie Café gibt es übrigens in Den Haag: „The Welsh Bakestone“.

Vielen Dank, Ann-Kathrin, für deine ehrlichen Antworten und deine Tipps aus erster Hand, wenn es um das Leben am Dreiländer-Eck geht.

Interview Ann Kathrin Mutter Kind Strand

Wer Ann-Kathrin etwas näher kennenlernen möchte, kann dies auf ihrem Blog Munchkins Happy Place tun. Hier berichtet sie über das Leben als Mama. Als ausgebildete Erzieherin bearbeitet sie liebevoll, wichtige Erziehungsfragen und gibt leckere Rezepte und bunte DIY-Ideen weiter. Ich lese sie seit längerer Zeit wirklich gern und finde, ihr Blog ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Übrigens: Auf ihrem Blog findet ihr auch einen kleinen Einblick in den ersten Holland-Urlaub mit Ann-Kathrins bezaubernden Tochter Emma – klick doch hier mal herein 

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