Den Haag – erste Annäherungsversuche

Der Zeitpunkt rückt immer näher an dem ich zur Strohwitwe werde. Irgendwie kann ich das gar nicht so richtig begreifen. In mir spielen sich zwar immer wieder kleine Filme ab, die darstellen könnten, wie es uns hier ohne den Mann, Papa und Herrchen gehen soll, aber ich schiebe es schnell Beiseite und konzentriere mich auf das, was unmittelbar vor uns liegt. Und das ist zunächst einmal die Wohnungssuche in Den Haag.

Und so fuhren wir am vergangenen Freitag mit Sack und pack 230km Richtung Küste. Im Gepäck den Hund, Verpflegung, Gummistiefel und warme Kleidung, sowie 2 Wohnungsbesichtigungstermine und einen zur Vertragsunterzeichnung des Praktikums. Natürlich wollten wir Christian nicht allein fahren lassen, auch wenn der Tag ziemlich stressig werden würde. Wir freuten uns auf kleine Pausen am Strand und in der City und wollten uns einen ersten Eindruck von der Stadt machen, die für den Mann in unserem Hause sechs Monate lang sein neues Zuhause werden würde. Und natürlich war ich doppelt so gespannt, denn es besteht ja auch immer noch eine grosse Chance, dass er im kommenden Jahr dort seinen neuen festen Arbeitsplatz haben wird und wir alle gemeinsam dort wohnen werden.

Autofahrt Niederlande

Die Fahrt zog sich wirklich wie Kaugummi und ich hatte das Gefühl, auch wenn Holland so klein ist, weiter als unser jetziges und das kommende Zuhause, kann man gar nicht entfernt sein. Ist natürlich Quatsch! Aber ich machte mir schon so meine Gedanken, ob wir uns in den kommenden Monaten wirklich jedes Wochenende sehen würden, wenn es doch so weit entfernt war. Naja, die Zeit wird es zeigen.

Kurz bevor wir ankamen, realisierte ich erst einmal wie nah wir an Rotterdam und Amsterdam wohnen würden, wenn wir wirklich nach Den Haag gehen sollten. Ich finde das sehr spannend. So hat man die Großstadt UND das Meer direkt um die Ecke. Klingt nach einer aufregenden Alternative zum Dreiländer-Eck. Obwohl es hier auch toll ist.

Autobahnkreuz Niederlande

Wir fuhren direkt zur ersten Wohnungsbesichtigung und sollten direkt merken – mit Parkplätzen sieht es hier eher sparsam aus. Mit Preis-Leistung übrigens auch, denn die Bruchbude von 18qm sollte trotz fehlender Heizung und doppelt verglaster Fenster, knapp 550€ Kalt kosten. Dazu sollten noch knapp 150€ Gas, Strom und Servicekosten kommen. Teures Pflaster und gar nicht mal so wohnlich! Der Teppich, den sie natürlich nicht extra für uns, sondern auch für gefühlt 100 andere Vormieter ausgerollt hatten, war so ekelig, dass ich schon ein schlechtes Gewissen hatte Lotte dort mit Schuhen abzustellen. Wofür die dann auch noch eine Monatskaltmiete an Kaution haben wollten, erschloss sich uns nicht so ganz. Mit dem Geld hätten die die Bude richtig aufwerten können.

Naja, wann hat man auch schon mal direkt beim ersten Mal Glück?

Also wollten wir nun an den Strand – Kind und Hund ein wenig auspowern und frische Meeresluft schnuppern. Als wir ankamen realisierten wir allerdings, dass wir nur knapp 30 Minuten Zeit hatten, bis wir wieder los mussten, um in Delft bei der Vertragsunterzeichnung sein zu können. Jammern half nichts, also Gummistiefel an und ab in den Sand, immer in Richtung Meer.
Der Hund durfte sogar legal dort hin, auch wenn es kein Hundestrand war, denn die Saison wird erst Mitte Mai eröffnet und so lange dürfen die Wauzis dort tollen.

Promenade Scheveningen

Kind Strand Scheveningen

Und was soll ich sagen? Es war kurz, aber herrlich! Strand ist immer toll, oder? Selbst wenn es windig ist, macht das Muscheln sammeln und die Finger im Sand vergraben Spaß.

Strand Scheveningen Familie

Lotte war nun zum dritten Mal am Strand. Letztes Jahr im April auf Rügen. Da war sie noch so Baby, dass sie den Sand nur von der Trage aus begutachten konnte und dann im Sommer in Noordwijk. Da war ihre erste richtige Begegnung mit Sand allerdings nicht so euphorisch. Wollten wir sie mit den Füßen auf den Sand stellen, gingen die Beine automatisch nach oben – sie fand dieses Sandzeug einfach nur abgrundtief ekelig!
Zum Glück haben wir in den Monaten dazwischen an einer etwas intensiveren Sandbeziehung gearbeitet – im Sandkasten. Jetzt ist der Sand eigentlich ganz cool, mehr aber auch nicht! Das wird noch, ganz sicher.

Vater Tochter Scheveningen

Strand Scheveningen Familie

Nachdem wir einmal zum Wasser hin kamen, der Hund ein wenig im Wasser paddeln konnte, mussten wir auch direkt wieder kehrtmachen. Kleinkind-Beinchen entschleunigen eben auch, wenn man nicht ganz so viel Zeit hat. Ich warf nochmal einen sehnsüchtigen Blick auf das tolle Strandpavillion und sah mich vor meinem inneren Auge nächstes Jahr hier schon mit dem Laptop auf dem Schoß, Koffie trinkend meine Blogartikel schreiben, während Lotte den Sand duldete.

Scheveningen Strand

In Delft angekommen, konnten wir Christian so eben noch aus dem Auto flüchten und zum Termin hechten lassen. Der Verkehr zwischen Den Haag und Delft sollte man also auch nicht unterscheiden, auch wenn die Strecke nur knapp 20km hatte.

Lotte und ich blieben in der Nähe des Autos, da Christian kein Handy dabei hatte und wir ja nicht wussten, wie lang es dauern sollte. Aber wir hatten trotzdem Spaß. Lotte war ganz begeistert von der Gracht die durch die Straßen führte. Erstrecht, als die Touristen im Boot an uns vorbei schipperten und Lotte zurück winkten, während sie zuckersüß jedem ihr „Haaaaaalloooooo!“ entgegen strahlte.

Gracht durch Delft

Gracht durch Delft

Wir machten noch etwas quatsch an einem Hauseingang und fühlten uns scheinbar so wohl, dass selbst die Briefträgerin der Meinung war: die hocken lachend auf der Haustreppe – die müssen da wohnen! Und schwupps hatte ich einen Stapel Briefe in der Hand und noch bevor ich ihr erklären konnte, dass wir dort nicht wohnen, war sie auch schon auf ihrem Fahrrad abgedüst. Ganz brav habe ich die Briefe also in den Briefkasten geworfen.

Ausflug Delft

Als Christian dann nach knapp 45 Minuten zurück kam, hatten wir alle bereits Hunger und entschieden uns zum nächsten Wohnobjekt zu fahren, das Auto dort abzustellen und dann etwas essen zu gehen. Also zurück nach Den Haag.

Dort angekommen waren wir von der Umgebung sehr angetan. Viel grün, trotz viel befahrener Straße und die Jugendstil-Häuser versprachen, dass die nächste Wohnung sicher eher in Frage kommen sollte.

Wir packten Lotte also in den Buggy und dann erkundeten wir den Block. Es schien tatsächlich eine etwas gehobenere Gegend zu sein, denn wir liefen an der deutschen, irakischen und japanischen Botschaft vorbei.Und da wurde mir wieder klar, dass Den Haag ja nicht nur für die Niederlande als Regierungssitz eine wichtige Rolle spielte, sondern auch für Europa. Hier ist nämlich der europäische Gerichtshof, das Patentamt und Europol ansässig.

Allerdings brachte die Gegend keine Futterstelle für uns hervor und so ging es wieder zurück zum Auto und mit Blick auf die Uhr war das nächstgelegene ‚goldene M‘ die einzige Möglichkeit unseren Magen vor dem nächsten Termin zu füllen.

Gesättigt und mit Luftballon in der Hand schauten wir uns dann das kleine, jedoch gepflegte Appartement an, bei dem nur der Preis uns davon abhielt direkt in Jubelschrei auszubrechen. In der Großstadt scheint es einfach Gang und Gäbe zu sein, dass die Wohnungspreise an Utopie grenzen. Wir beschlossen eine Nacht drüber zu schlafen und verabschiedeten uns von dem netten Makler.

Es war bereits früher Abend, Lotti war müde und auch wir wollten uns auf den Heimweg machen. Allerdings in die alte Heimat, denn die Schwiegermama hatte an dem Wochenende Geburtstag.

Was nehme ich also von diesem Kurztrip mit? Den Haag ist eine interessante Stadt und auch wenn der Weg dorthin nicht gerade kurz ist, freue ich mich schon darauf den Großteil des Sommers dort verbringen zu können, sodass die Freundschaft zwischen Lotte und dem Sand aufblühen kann und ich endlich zu meinem Koffie am Strandpavillion komme.

Mutter Tochter Strand

Ich freue mich darauf mit Lotte und Christian die Stadt zu erkunden. Und euch werde ich gern mitnehmen – live mit Blick aufs Meer ;)

Signatur
Selfie am Strand von Scheveningen

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