Bodyshaming am Pool – Die Mutter im Kleid und was ihr entgeht

Ich stehe vor dem Spiegel und betrachte mich. Ich ziehe die Schultern nach hinten, um gerade zu stehen. Der schwere Stillbusen macht es mir den ganzen Tag schwer, keinen runden Rücken zu machen.
Ich schaue meinen Hintern an. Seit der letzten Schwangerschaft ist er irgendwie platt geworden. Kein Wunder dass die Hosen so komisch sitzen. Mit geradem Rücken versuche ich den Hintern irgendwie ein bisschen heraus zu strecken. Schon besser.

Dann fällt der Blick auf den Bauch. 6 Wochen ist es jetzt her. Ich betrachte die Linea Negra und frage mich, wann sie wohl verschwindet. Zum Glück wurde ich von den Schwangerschaftsstreifen weitestgehend verschont. Die zwei kleinen, hellen Streifen am Unterbauch werden sicher bald nicht mehr zu sehen sein, da bin ich zuversichtlich. Aber der Bauch ist immer noch weich und wabbelig. Auch wenn die Haut straff ist, hängt er ein bisschen runter. Ich halte die Luft an und ziehe meinen Bauch ein.
Und dann stehe ich vor dem Spiegel, kerzengerade, mit Entenhintern und traue mich nicht auszuatmen. Dann bemerke ich mein Doppelkinn und muss mir zwangsläufig eingestehen: das sind nicht nur die Schwangerschaftspfunde.

„Mamaaaaa!“

Ich lasse die Luft wieder aus mir heraus und werfe mich deprimiert in meinen Bikini. Ich hätte mir wirklich einen Badeanzug kaufen sollen. Am besten in schwarz.

„Mamaaaa!“ höre ich Lotti ein weiteres Mal rufen. Ich sage ihr, dass ich sofort komme. Ich schmeiße mein Kleid über und nehme die Strandtasche. Als ich aus dem Wohnmobil heraus komme, drückt mir meine Mama mein 6 Wochen altes Baby in die Hand und wir machen uns auf zum Pool des Campingplatzes.

Ich liege den halben Tag auf der Sonnenliege, auf mir das schlafende Baby. Immer im Blick mein quirliges Kleinkind das mit sich selbst spielt. Obwohl ich im Schatten liege ist mir warm. Das Kleid ist mir an den Schenkeln etwas hochgerutscht, sodass man die Dellen beim Liegen etwas sehen kann. Ich schiebe das Kleid wieder herunter und rücke mich noch einmal zurecht.

Nach einer Weile fällt mein Blick auf eine Mutter mit ihrer Tochter. Sie sitzen beide am Rand des Kinderschwimmbeckens. Die wohlgerundete Mama ebenfalls in einem langen Strandkleid. Liebevoll streicht sie ihrer Tochter das Haar zur Seite und sie schauen sich das Treiben im Kinderbecken an. Lotte spielt mit ihrem aufblasbaren Tier nur ein paar Meter neben ihnen.

Die Tochter rutscht von dem Schoß ihrer Mama und gleitet wie ein Aal ins blaue Wasser. Sie hüpft lachend im Pool herum und hat sichtlich Spaß. Sie dreht sich zu ihrer Mama um und sagt etwas zu ihr. Akustisch höre ich was sie sagt, aber ich spreche kein Spanisch und so verstehe ich nicht was sie sagt. Ihre Geste aber zeigt, dass sie die Mama auffordert zu ihr ins Becken zu kommen. Die Mutter schüttelt den Kopf und zeigt auf ihr Kleid.
Die Tochter versucht ihre Mama zu überreden. Immer wieder wedelt sie mit ihrer Hand zu sich und setzt einen flehenden Blick auf. Aber die Mama bleibt vehement und verweist immer wieder darauf, dass sie ja ein Kleid trägt. Enttäuscht dreht sich die Tochter um.
Nach einigen Minuten sehe ich, wie sie frustriert ein anderes Kind immer wieder ein anderes Kind nass macht. Die Mutter steht irgendwann auf und legt sich auf ihre Sonnenliege und schaut, wie ich auch, ihrer Tochter beim planschen zu.

Nach einiger Zeit ruft Lotte meinen Namen. Ich stehe mit Baby auf dem Arm auf und frage sie, was sie möchte.

„Du kommst auch Wasser, Mami?“ Ich sehe an mir herab. Ich trage immer noch das Kleid. Das Baby nimmt meine Mama sicher gern. Aber ich fühle mich so unwohl ohne das Kleid. Hätte ich doch einen Badeanzug gekauft, sage ich mir wieder.

Lotte bemerkt mein Zögern und wirft ein „Bitte, bitte!“ hinterher. Ich seufze.

Ich will nicht die Mama mit dem Kleid am Pool sein, die sich so unwohl fühlt. So unwohl, dass sie lieber ihren Schutzpanzer anbehält und somit auf spaßige Wasserspielchen mit ihrer Tochter, Qualitytime, verzichtet.

Ich will nicht die Mama sein, die jedes Foto von sich löscht, weil sie es grauenhaft findet.

Ich will nicht die Mama sein, die stocksteif vor dem Spiegel steht und sich 6 Wochen nach der Geburt nicht ansehen mag.

Ich will nicht die Mama sein, die abfällige Bemerkungen über sich macht, ihrer Tochter aber Selbstbewusstsein und Selbstwert vermitteln will.

Ich will aber auch nicht die Mama sein, die immer nur Salate isst und sich bei jeder Kalorie zu viel, schlecht fühlt.
Und will auch nicht die Mama sein, deren Schenkel beim Laufen in einem Kleid aneinander reiben, so dass es weh tut.

Kann ich mich akzeptieren, aber zeitgleich etwas an mir ändern wollen?

„Komm jetzt, Mama! Das Wasser ist so schön!“. Ich muss laut Lachen, weil mir wieder einmal auffällt wie gut sie sich ausdrücken kann, wenn sie etwas haben will.

Ich drücke meiner Mama das schlafende Baby in die Hand, streife mein Kleid ab und watschle mit quietschenden Badeschlappen Richtung Lotte. Sie freut sich so sehr, dass sie gluckst vor Lachen.
Ich setze den Fuß ins Wasser und halte die Luft an. Mein Bauch zieht sich nach innen und ich sehe an ihm vorbei, weiter hinunter zu meinen Füßen. „Das Wasser ist kalt, Mama?“ Ich atme wieder aus und lache. „Ja, Lotti das Wasser ist echt kalt. Wir müssen uns bewegen. Ich packe sie und werfe sie in die Luft. Das Wasser spritzt und wir lachen.

Nach einiger Zeit schaue ich sie an:“Sollen wir zur Oma gehen und einen Keks essen?“ Natürlich. Wir werfen uns die Handtücher um, jeder mit einem Keks in der Hand. Sie kuschelt sich an mich und legt ihren nassen Kopf auf meinen Bauch. Huh ist das kalt. Ich ziehe den Bauch ein. „Mama, du machst den Bauch wieder groß? Das ist so weich!“.
Ja, denke ich missmutig, der ist total weich. Sie schmiegt sich an mich und macht die Augen zu. Während ich ihr den Kopf streichle, schläft sie ein. Auf meinem weichen Bauch. In dem vor ein paar Wochen noch ihre kleine Schwester wohnte.

Und auch wenn ich mich oft unwohl in meinem Körper fühle, ich mich nach dem Naschen schon wieder hasse und ich unbedingt wieder Sport machen möchte. Es tut verdammt gut zu wissen, dass wenigstens einer mich so nimmt wie ich bin: du mein Schatz! Und dir zu Liebe, möchte ich mich auch selbst Lieben.

Und vielleicht zwinkerst du dann irgendwann deinem Spiegelbild zu, anstatt stocksteif davor die Luft anzuhalten.

bodyshaming als Mutter

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31 Kommentare

  1. Toller Artikel! Bei mir sind es zwar schon fast 12 Wochen her, trotzdem geht es mir qb und zu ähnlich. Aber dann denke ich mir, wir sollten eher stolz darauf sein, was unser Körper geleistet hat als uns dafür zu schämen, dass man ihm das ansieht. Selbst sieht man sich eh immer viel kritischer.

    LG, Katja

  2. Da kann ich nur zustimmen. Nach 6 Wochen, da ist der weiche Bauch doch völlig normal.

    Und fürs Kekse essen braucht sich eine Stillmama auch nicht schämen! Immer rein damit, der Zwerg hat doch Durst, sag ich mir da.

    Abgesehen davon, wen interessiert denn ein bisschen „Babybauch“?

  3. Wunderschön geschrieben, ich finde mich da so wieder!
    Danke für den Denkansatz, vielleicht lasse ich morgen den (natürlich schwarzen) Badeanzug zu Hause und geh mit meinem Käferle mal wieder im Bikini ins Freibad. Weil ichs kann :-)

    • Und weil wir ja auch irgendwann mal anfangen müssen, das Vorbild das wir sein wollen, auch zu leben ;) Viel Spaß im kühlen Nass 😘

  4. Danke, Danke, Danke!
    Dem ist nichts hinzuzufügen.
    Außer vielleicht… dem ein oder anderen Vater geht es genauso ;)

  5. Meine lieben frischgebackenen Mamas. Unterwerft Euch nicht dem Körperterror, der von Photoshop genährt wird bis er ein Monster ist, das Euer Glück auffrisst.

    Meine Tochter ist jetzt groß und viele Jahre alt und ich bereue jeden Keks, den ich NICHT mit ihr gegessen habe. Ich bedauere jedes Bild, das ich von mir gelöscht habe. Ich ärgere mich über jedes Mal, das ich nicht baden oder schwimmen war.

    Eines Tages werden Eure Kinder groß sein und Euch nicht mehr brauchen, und dann werdet Ihr an die Zeit zurückdenken, in denen sie klein war (und die Sorgen klein waren… – das ist leider ein wahrer Spruch, auch wenn man es nicht glauben kann) und dann werdet Ihr- und das schwöre ich Euch – Euch nicht daran erinnern, wie Euch die Leute am Pool angeschaut haben. Ihr werdet Euch daran erinnern, wie es sich angefühlt hat, mit der kleinen Ratz im Wasser zu sitzen und wie die Sonne auf Euch schien. Und darauf, wie es sich anfühlt, habt nur IHR Einfluss. Nicht die anderen. Nicht die Medien. Nicht Photoshop. Nur Ihr.

    Glaubt es mir.

  6. Schöner Artikel, Meine große (28 Monate) hat neulich ganz begeistert Ihre kleinen Arme um mich geworfen und gesagt -Mama Du bist sooooooo schön. Wer braucht da noch eine perfekte Figur :-) Und seien wir doch ehrlich – keine von uns Frauen ist perfekt. Und muss es auch nicht sein – und was ist perfekt. Hauptsache wir fühlen uns wohl in unserem Körper :-) Und betrachten uns einfach mal mit den Augen unserer Kinder.

    • Dreifach Mama

      Meine Maus sagt immer Mama hat ein Schlumpibauch

      Dann greift sie beherzt rein und sagt
      Da guck

      Wackel wackel wackel 🤣

      Ich bin sehr gerissen,habe drei Kinder

      Der Bauchspeck war bei allen drei sehr schnell wieder weg
      Nach den 4-6 Wochen war nix mehr an Bauch

      Aber die gerissene Bauchdecke sieht eben aus wie ein Luftballon dem mm die Luft abgelassen hat🙈

      • Es ist nicht leicht, sich so zu akzeptieren, wie wir es tun sollten. Dabei machen es uns die Kinder ganz leicht vor, wie das geht.

  7. Liebe Sarah,
    nun sitze ich hier, mit meinen 2-Jährigen twins und einem für mich unansehlichen Körper und weine tatsächlich ein bisschen. Danke für diesen tollen Artikel. Danke für deinen inneren Monolog, bei dem ich gemerkthabe dass ich genauso denke. Danke für die Bilder in meinem Kopf von dem was ich verpasse, weil du es einfach gemacht hast.

    Ich danke dir und nehme mir vor nie wieder die Mama am Beckenrad zu sein. Wobei naja um ehrlichzu sein, bei mir macht es der badeanzug auch nicht besser :-) Aber das sind Gedanken die ich jetzt mal gescheuche…

  8. Es gibt von mir und dem jetzigen 3jährigen kein Neugeborenesfoto. Weil ich immer gesagt habe: Fotografiert nicht mich sondern das Baby. Heute ärgere ich mich darüber.

  9. Große Textliebe, Sarah! <3
    Und da merkt man mal wieder, dass Kinder den besten Riecher haben.
    Und dass Bodyshaming doof ist!

    Liebe Grüße
    Sarah

  10. SCHNEGGXE

    Ein schöner Artikel.
    Meine Kleine ist nun schon ein Jahr.
    Mein Körper trägt viele Kilos zu viel.
    Kilos weil ich zu gern die falschen Sachen esse.
    Kilos aus Frust weil ich mich so nach einem Kind sehnte und nicht Schwanger wurde.
    Kilos durch Hormone um endlich Schwanger zu werden.
    Kilos durch die Schwangerschaft ….

    Nun hab ich meinen Sonnenschein in den Armen. Könnte einfach nur glücklich sein. Dann lauf ich an nem Spiegel vorbei und bin frustriert dass ich so aussehe wie ich aussehe.
    Gerne wäre ich schlank und fit….
    Aber den Anfang zu machen. Dazu fehlt mir der Elan…
    Dann lacht mich mein Engel an und die Welt ist gut- bis ich versehentlich in den nächsten Spiegel schau….

  11. Hallo Sarah,
    durch Zufall und dank dem schönen Wetter und viel Zeit in meiner Gartenliege, bin ich gerade auf Deinen Blog bzw. diesen Artikel gestoßen und habe ihn mir mit Interesse durchgelesen.
    Ich habe KEIN Kind und so wie es aussieht, werde ich auch nie Kinder haben, aber ich habe einen Kopf und mache mir meine eigenen Gedanken.
    Ich kann absolut nachvollziehen, dass jeder sein ganz persönliches „Wohlfühlgewicht“ hat und ich kann total verstehen, dass man sich in einem normalen Alltag selbst nicht wirklich wohl fühlt, wenn z.B. die Jeans hier und da zwickt. Ich selbst bin weder dick noch dünn… sondern irgendwas dazwischen. Aus den Augen einer Heidi Klum wäre ich wahrscheinlich fett und aus den Augen von Beth Ditto ein Spargeltarzan.
    Ich finde es absolut bewundernswert, wenn frisch gebackene Mamis versuchen sich in einem NORMALEN MASS „fit“ zu halten und sagen, das Baby bestimmt meinen Alltag ganz klar, aber hin und wieder muss ich auch mal an mich denken. Ich finde es aber ERSCHRECKEND, wenn sich ganz normale Mütter eine „Heidi Klum“ zum Vorbild nehmen und versuchen innerhalb von Wochen wieder suuuuuuper „in Shape“ zu sein. Ich spreche jetzt nicht von super stark adipösen Menschen, sondern von einer ganz normalen Mittelschicht. Mensch, wer wenn nicht ihr frisch gebackenen, tollen Mütter habt das aaaaabsolute Recht zu einigen Pfündchen mehr???
    Ehrlich, dieser extreme Body Wahn, alles muss perfekt sein, 6 Wochen nach der Geburt MUSS der Bauch wieder ein Waschbrett zeichnen, der Poppes muss knackig sein wie ein Granny Smith und der Partner wünscht sich 4 Wochen nach der Geburt wieder einen Granate im Bett.
    HEYYYYYY…. ENTSPANNT EUCH DOCH MAL!
    Ihr habt neun Monate einen anderen, kleinen Menschen in euch getragen, euer Hormonsysthem ist noch auf Autobahn programmiert und nicht auf 30er Zone. Ihr habt gerade die vielleicht tollsten körperlichen 9 Monate hinter euch, die ein Mensch haben kann und jetzt ist da ein kleiner neuer Mensch, der auch eure komplette Aufmerksamkeit möchte. Wer wenn nicht ihr, habt euch Spaghetti verdient und keinen Salat.
    Ehrlich… ich kann verstehen wenn sich frische gebackene Mütter unwohl fühlen, die in der Schwangerschaft 40 kilo zugenommen haben und davon sind auch 6 Monate später noch 30 drauf… aber sich unwohl fühlen wegen ein paar Pfündchen… ein bisschen hängenden Poppes und einen weichen Bauch …. ehrlich, das muss nicht sein!
    Seid stolz auf euch und euren Körper, euer Körper hat in den letzten Monaten etwas großartiges geleistet und eines ist doch eh klar…. SCHÖN IST NICHT SCHÖN… GEFALLEN MACHT SCHÖN!
    Also Kopf hoch, rein in den Bikini, strahlen und ab in den Pool! Und schon werden alle Leute denken, woooow, was hat die eine tolle, selbstsichere Ausstrahlung… wer sieht da noch „Pfündchen“?

    Liebe Grüße von Camper zu Camper… Isa

  12. Du ziehst den Bauch ein, schaust an dir runter und SIEHST deine Füße… äh, ja, das würde ich auch gerne können ;-)

  13. Toller Artikel…ABER…sprechen wir von 5-6kg zuviel,kanns mir grad vorstellen,meist die Frauen die kaum zugenommen haben heulen so rum.
    Ich habe massiv zugenommen,über 30kg.Icg hab heute noch nichr meine alte Form da ich meinen Sohn 2i noch stille und ihn nicht mit Giftstoffen vollballern will.
    Ich schäme mich im Freibad,ich nehm mich aber zusammen,für meinen Spatz.

  14. Sehr schöner Artikel!
    Mein Körper hat sich in der Schwangerschaft und nach der Geburt massiv verändert. Ich war vorher sehr zierlich und renne nun mit 15 kg mehr herum. Ich habe letztens meinen Mann gefragt, was er schöner findet, die sehr schlanke, ja schon dürre Figur von damals, oder die Vollweibfigur nun. Seine Antwort überraschte und rührte mich: „Die Frage stellt sich gar nicht. Dein Körper, den du heute hast, hat unser Kind auf die Welt gebracht. Was gibt es Schöneres?“ Wir sollten unsere Körper öfter mit diesen Augen sehen. Sie haben Wunderbares geleistet und ja, dass kann man ihnen ansehen.

  15. Beim ersten Kind habe ich 20kg zugenommen. Viele sagten das geht mit Stillen weg. Neun Monate passierte nix. Dann hieß es das verschwindet wenn er laufen lernt. Nach zwei Jahren waren die Kilos immer noch da. Dann nahm ich es mal ernsthaft in Angriff. Verlor in den folgenden 12 Monaten tatsächlich 13 Kilo.
    Tja und dann wurde ich wieder schwanger. Zack waren alle wieder da. Mein Kleiner ist jetzt 1.
    Ich nehme es hin. Sitze auch im Bikini am See. Am meisten ärgert mich eigentlich nur das ich mir passende Klamotten kaufen MUSS. Rundungen sind weiblich. Leider ist das Frauenbild in der Gesellschaft verzerrt.
    Meine Kinder und auch mein Mann lieben mich wie ich bin.

  16. Auch die andere Richtung Bodyshaming gibt es: Ich habe nach der SS, in der nicht viele Kilos dazukamen, durchs Stillen ruckzuck Gewicht verloren, wog 4 kg weniger als vorher (und davor auch schon zu wenig) und jetzt sieht man jede Rippe im Dekollete, die Ärmchen sind dünn, ich fühle mich nicht stark, sondern zerbrechlich und würde mich am liebsten nur einhüllen. Weich finden mich die Kinder auch nicht und weiblich finde ich mich gar nicht. Das ist nicht schön. Aber generell ist es doch so: Wir müssen lernen, mit unserer genetisch bedingten (und das ist die Figur nunmal) Ausstattung zu leben. Und wir sollten das lernen und dankbar sein, wie gut ein Körper, in welcher Form auch immer, funktioniert. Wie stark er doch ist. Vorher hab ich das nie so gesehen, sondern dachte immer man muss sich formen, wie man gern wäre. Jetzt denke ich dass ist verschwendete Energie. Die 2. SS brachte das gleiche Spiel, aber ich war viel entspannter und es war mir egal, da mit 2 Kindern einfach auch nicht so viel Zeit bleibt zum in den Spiegel schauen. Die Kinder (und im Idealfall auch der Partner) haben „liebende Augen“; die finden dich immer schön, und man selbst muss halt auch auf den Trichter kommen, sich liebend zu betrachten. Das leben ist zu kurz für keine Fotos weil man komisch aussieht. Ich kümmere mich gut um mich und will mich gut fühlen im Körper, aber wie das von aussen aussieht, wie seine Form ist (und ich bin immernoch wenn man aktuelle Schönheitsideale anschaut zu klapprig, null Busen, zu knochig und dazu noch kein Modelgesicht) ist mir herzlich egal. Er muss sich gut anfühlen, nur das zählt. Tut er das nicht, kann man was machen – oder überlegen, ob das gleich sein muss oder obs gerade wichtigeres gibt. Das will ich den Kindern auch vorleben: Kümmere dich gut um dich und deinen Körper, und nicht um Äußerlichkeiten oder darum wie er aussieht. Das ist schon schwer genug, die Einflüsse von außen da zu relativieren…

  17. Toller Artikel, bitte mehr davon! Kämpfe seit Jahrzehnten gegen das eigene Bodyshaming und die Zensur im Kopf – allein, es will mir nicht gelingen. Für andere habe ich einen perfekten Körper mit athletisch-straffer Kleidergröße 34/36, der 8 auch Wochen nach der Geburt ganz von allein wieder in seine vorgeburtliche Form zurückfand, ohne Streifen, ohne Hängebusen. Ich konnte schon immer so viel essen, wie ich wollte und nahm doch nie zu. Schön fand ich mich trotzdem nicht und denke immer nur, dass andere zu doof sind, meine Häßlichkeit zu sehen. Die Nabenflecken an den Beinen, die manchmal unreine Haut, die krumme Nase… Ich ekle mich (obwohl ich es besser weiß und immer wieder versuche, das aktiv abzutrainieren – welche Ironie!) vor nicht-werbungsgleichen Körpern und finde es rücksichtslos, wenn Leute, die (auch nur grammweise) übergewichtig, entstellt oder „ungepflegt“ in öffentliche Bäder gehen, zu wenig/zu wenig kaschierendes tragen oder in meinen (kaputten) Augen generell unästhetisch Platz im öffentlichen Raum belegen. Es gibt so gut wie keine Fotos von mir und ich kann nicht verstehen, wie Leute, die nicht (in meinen Augen zwar: fälschlicherweise, aber immerhin) als attraktiv wahrgenommen werden, so durchs Leben gehen. Ich weiß, woher diese Einstellung stammt und versuche, sie aktiv zu verändern – es gestaltet sich aber trotzdem schwierig. Zuhause habe ich gelernt, dass Attraktivität ohne Geist und Gehirn keine Rolle spielt, aber auch, dass keine Rolle spielt, wieviel Geist und Gehirn da ist, wenn man einen nicht ganz optimalen Körper hat und noch schlimmer: dass solch ein Körper schon ein Indiz geistiger Degeneration darstellt (Stichwort: Willensstärke oder „schlechte Gene“). Ich versuche, Schönes auch an unperfekten Körpern zu sehen, aber es gelingt mir einfach nicht. Jetzt im Sommer ist es noch schlimmer, ich bin den halben Tag entrüstet ob der Dreistigkeit in meinen Augen unattraktiver Menschen, die in mir Ekel hervorrufen, Raum in der Öffentlichkeit zu belegen, ein Kleid, ein Hemd zu tragen, in dem man einen – und sei es noch so leichten – Bauch erkennen kann, schwabbelige Arme, zu dicke Beine…die Liste ist endlos. Jedes Mal sage ich mir: hinsehen und den Menschen als Ganzes wahrnehmen. Etwas Schönes an demjenigen finden. Deren Sorglosigkeit und Mut toll finden. Oder wegsehen. Aber das ist nur eine dünne, zivilisatorische Schicht von Eigenerziehung, die erst nach einer Weile greift. Ich habe mich damit arrangiert, gehe seit 20 Jahren nicht mehr ins Freibad und arbeite an meinem Blick – aber wie schafft man es, diesen kalten und grausamen abzustellen?

    • Ganz ehrlich (und bitte nicht negativ auffassen) : Durch therapeutische/psychologische Hilfe. Ich selbst habe Jahre lang gegen mein eigenes Unterbewusstsein gekämpft, zu dem ich bewusst einfach keinen Zugang hatte und das mir immer wieder psychische Probleme beschert hat. Wir werden mitunter in unserer Kindheit durch Umwelteinflüsse so stark beeinflusst, dass sich das einbrennt und man mit gesundem Menschenverstand allein nicht gegen die Konditionierung ankommt. Die persönliche Entwicklung dahingehend im Alleingang in eine andere Richtung zu lenken und Denkmuster aufzubrechen und zu beseitigen kann ein ewiger Gewaltakt sein. Ich hatte eine Zeit lang eine Gesprächstherapie und bin immer noch verblüfft von dem, was mein Therapeut in meinem Denken zu Tage gefördert hat, was ich dann (bzw. wir gemeinsam) aktiv umkrempeln konnte. Das tat unbeschreiblich gut und war sehr befreiend.
      Liebe Grüße!

  18. Ich glaube in dem Text finden sich viele Mamis wieder, ich mich auch, sehr sogar !!
    Bei mir ist es nicht der Bauch aber ich denke immer niemand hat so viele Dellen an den Oberschenkeln wie ich, andere verdrehen die Augen oder lachen wenn ich das sage aber ich empfinde das schon immer so! Bevor ich Mama geworden bin, bin ich Phasenweise Jahrelang nicht zum baden gegangen ( eigentlich ein Wahnsinn)!
    Nach der Geburt unserer Tochter hatte ich eine sehr langanhaltende „ist mir alles egal ich hab ein wundervolles Kind“- Phase und dann Zack da war es wieder…ich kann doch so nicht baden gehen… bis ich mir letzte Woche bei 35 Grad gedacht habe, es kann aber noch viel weniger sein, dass mein Kind auf jede Menge Spaß verzichten muss, weil ich meine Beine nicht mag!!! Also rein in Bikini und ab ins Freibad ( Freibäder finde ich besonders schlimm).
    Wir hatten einen super schönen Tag, waren beide überglücklich und am liebsten hätte ich den Müttern die bei der Hitze in T-Shirt und Hose auf ihren Plätzen saßen gesagt, dass sie sich bitte ausziehen und Spaß mit ihrem Kindern haben sollen!

  19. Meistens stöbern ich nur im Internet und nur bei maximal einen von hundert Texten hinterlasse ich einen Kommentar.
    Aber ich hatte gerade eine Träne im Augenwinkel. Ein wundervoller Text. DANKE dafür!

    PS: Auch ein wundervolles Bild vom schlafenden Engel.

    • Ach Marry, vielen Dank. Ich freue mich, dass ich dir einen Kommentar entlocken konnte ❤

  20. Hallöchen.
    Ich muss ehrlich gestehen ich schreibe normaler Weise NIE etwas ins Internet, aber als ich den Artikel und auch einiger der Kommentare gelesen habe hatte ich eine Träne in den Augen. Ich bin sehr gerührt von deinen Gedanken und deiner Sichtweise. Mir geht es ähnlich. Meine kleine ist jetzt 1 Jahr und 4 Monate alt und ja auch bei mir sind noch ein paar Kilos zu viel, die Beine schlabbern und das Fett rubbelt beim Laufen aneinander. Der Bauch schwabbelt und ist weich. Tja was soll ich sagen. Ich schau auch öfter in den Spiegel und wünschte ich wäre gute 5 -8 Kilo leichter. Aber es will einfach nicht werden.
    Aber dann lacht meine kleine mich jeden Tag aufs neue an und kuschelt sich morgens im Bett an mich. Klopft mir auf den Bauch (Sie hat gelernt was und wo der Bauch ist 😊😅) und es ist einfach schön.
    Ich liebe sie so sehr meinen kleine Maus und denke mir auch, Hauptsache sie hat Spaß mit ihrer Mama, auch wenn diese sich im Bikini etwas unwohl fühlt. Aber wenn sie mich dann anlacht beim planschen ist alles andere vergessen.
    Deshalb, liebe Mamis nimmt euch so wie ihr seit. Denn für eure Kinder seit ihr immer perfekt. Egal ob mit ein paar Kilos zu viel oder zu wenig.

    Vielen Dank für den tollen Artikel.

    Liebe Grüße

  21. 2-fach Mami

    So ein schöner Text!!!!!! Ich fühle mich sehr ertappt. Warum ist sowas einfaches so schwer umzusetzen. Ob Mami oder nicht, ob jung oder alt, ob 34 oder 54 es ist einfach so schwer sich selbst zu mögen wie man ist.

    An alle Mädels (und Jungs) die das schaffen: Respekt!

    An alle die es nicht schaffen aber ihren Zwergen zu Liebe die fiesen Kommentare von anderen oder der inneren Stimme ignorieren und sich trotzdem zeigen: Respekt!

    Vollkommen sind doch die aller wenigsten und danach zu streben frisst so unendlich viel Zeit und Kraft, die man viel besser mit Genießen und Leben füllen könnte…!

    Ich habe Größe 38 nach 2 Kindern. Die einen sagen: Beschwer dich ja nicht, bist doch noch super in Form. Die anderen sagen: Mit Sport und guter Ernährung könntest du wieder richtig toll aussehen. (Dazu zählt meine innere Stimme die einen erbitterten Kampf mit meinem Schweinehund führt)
    Ich (und mein Schweinehund) sagen: Es gibt wichtigeres als Perfektion.
    Kaiserschmarrn mit dem großen machen und gemeinsam auf essen.
    Popcorn zum Kinofilm.
    Morgens im Bett kuscheln statt Yoga.
    Gemeinsame Spaziergänge statt alleine Joggen.
    Dem Knirps Fahrradfahren bei bringen statt auf dem Spinner zu sitzen.
    PLANSCHEN STATT SCHÄMEN :)
    Etc.
    Ich mag meinen Körper nicht aber ich versuche mir weniger Gedanken darüber zu machen und mehr den Moment zu genießen.

    Und da man mit dem Alter weder straffer noch wohl proportionierter wird versuche ich mich manchmal so zu sehen, wie ich mich in 10Jahren zurückblickend beurteilen werde. („Man was hattest du früher für Probleme. Passte doch alles.“) Das hilft 🙈😅❤

    • So ein schöner Kommentar. Vielen Dank und ich gebe dir bei jedem Punkt absolut Recht ❤

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